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Wir alle brauchen von Zeit zu Zeit Erholung; Geist und Körper verlangen nach Veränderung. Manchmal genügen ein paar wenige Kilometer, um Abstand vom Alltag zu gewinnen, manchmal treibt uns das Fernweh weiter weg. Wo immer die Reise hinführt, denken wir daran, dass unser Erholungsraum für die Einheimischen Lebensraum ist. Vor allem in ärmeren Regionen kann dies zu Konflikten führen. "Bewusst reisen" heisst die Menschen in ihrem Lebensraum und die Umwelt im weitesten Sinn respektieren.
Zur Vorbereitung auf das Ferienland gibt es neben Reiseprospekten und Reiseführern noch andere Quellen. In unabhängigen Zeitungen, durch Filme oder Publikationen einheimischer Schriftstellerlnnen erfahren Interessierte oft mehr über die Wirklichkeit und das Leben der Menschen in diesem Land. Bewußte Reiseplanung beinhaltet auch Informationen über die politische Situation und die Regierung des Landes. Ein Regime, das seine Bevölkerung unterdrückt und die Menschenrechte mißachtet, kann durch den Tourismus gestärkt werden.
Die ständig zunehmende Konkurrenz unter den Reiseveranstaltern macht Reisen in südliche Länder immer billiger. Überkapazitäten im Luftverkehr und in der Hotellerie zwingen die Anbieter, ihre Preise zu senken. Vor allem ganz kurzfristig gebuchte Reisen sind bei uns zu Spottpreisen erhältlich. Das Nachsehen dabei haben die Leute im Ferienland Sie erhalten weniger Geld für ihre Leistungen, gespart wird bei den Löhnen der Angestellten, für Investitionen zugunsten der Umwelt bleiben keine Mittel. Und nicht zuletzt entgeht uns Reisenden bei diesen "Angeboten für Kurzentschlossene" eine schöne und wichtige Erfahrung - die Vorfreude.
In einem Hotel, das Einheimischen gehört und im Landesstil geführt wird, erfahren wir in der Regel mehr über die Lebensweise der Menschen. Und eine Entdeckungsreise in die einheimische Küche verspricht bestimmt mehr Vergnügen als unpersönliche Hotelverpflegung. In internationalen Hotels und Restaurants werden Hoteleinrichtung und viele Nahrungsmittel importiert. Wenn statt einheimischer Produkte Nescafé, Coca Cola und deutsches Bier konsumiert werden, kommen die im Tourismus erwirtschafteten Devisen nicht den Einheimischen zugute, sondern der größte Teil fliesst wieder in die Industrieländer zurück.
Erfahrungen während einer Reise können uns verunsichern, gar in Verlegenheit bringen. Es ist zweifellos legitim, nicht immer genau zu wissen, wie man sich verhalten soll. Je mehr wir bereit sind, uns respektvoll mit der Lebenssituation und den Problemen der einheimischen Bevölkerung auseinanderzusetzen, desto eher kann eine Begegnung überhaupt stattfinden. Kritische Fragen über die Auswirkungen der Reise treten dabei automatisch auf. Werden Kinder von der Schule weggelockt, um den TouristInnen Souvenirs zu verkaufen? Haben die Einheimischen wegen der vielen Hotels heute weniger Wasser zur Verfügung? Wurden Leute von ihrem Land vertrieben, um den Ferienanlagen Platz zu machen?
Der Tourismus schafft ohne Zweifel Arbeitsplätze. Doch Ferienanlagen am Strand verbauen oft einheimischen Fischern den Zugang zu ihrer angestammten Tätigkeit. Große Tourismuszentren verleiten zudem Leute aus den umliegenden Dörfern, ihre Beschäftigungen aufzugeben, um eine konjunktur- und saisonabhängige Arbeit anzunehmen. Vielfach arbeiten Frauen, Männer, nicht selten auch Kinder unter miserablen Anstellungsbedingungen. Informieren wir uns deshalb konkret über die Arbeitsbedingungen der Hotelangestellten, und fragen wir direkt, wieviel von unserem Pauschalarrangement den Menschen im Ferienland bleibt.
Einkaufen in den Ferien macht Spaß. Wir kommen in Kontakt mit Einheimischen, wir können viel über die Kultur des Landes, über die Menschen und ihren Alltag erfahren. Wer sich den Sitten des Ferienlandes anpaßt, kommt oft nicht ums Feilschen herum. Wichtig dabei ist die Kommunikation, der soziale Austausch; es geht viel weniger darum, die Preise - womöglich in Konkurrenz mit anderen TouristInnen - tief zu drücken. Reiseandenken aus einheimischem Handwerk machen nicht nur uns Freude, sie unterstützen auch direkt die Menschen und ihre Traditionen im Ferienland, im Gegensatz zur billigen, importierten Massenware.
Die beliebte Kurzreise in ein fernes Land bedeutet erwiesenermaßen massive Belastungen für Mensch und Umwelt. Der menschliche Körper braucht etliche Tage, um sich auf Zeitverschiebungen einzustellen; Geist und Seele benötigen noch einiges länger, um sich in einer ungewohnten Umgebung wohlzufühlen. Die Umstellungsstrapazen einer großen Reise in zu kurzer Zeit sind nicht zu unterschätzen. Zudem hat der Transport mit dem Flugzeug einen gravierenden Einfluß auf Umweltverschmutzung und Klimaveränderung.
Unsere Neugier ist befriedigt, das Bedürfnis nach Erholung gestillt, die Ferien sind zu Ende. Wir nehmen unsere Erinnerungen mit nach Hause, wobei wir uns kritisch fragen, ob sich diese durch Fotos festhalten lassen, oder ob das Fotografieren uns nicht oft den Blick verstellt. Es ist uns nicht egal, welche Spuren und Eindrücke wir hinterlassen haben. Zurück im eigenen Land sehen wir die Umgebung mit etwas anderen Augen. Vor unserer nächsten Reise fragen wir uns, was wir nötig haben und was uns eigentlich in die Ferne treibt. Kritische Fragen stellen wir auch den Reiseveranstaltern. Wir entwickeln uns zu bewußten Touristinnen und Touristen!
Lassen Sie sich inspirieren von anderen Reisetrends auf: www.fairunterwegs.org